Der Cost-Average-Effect unter der Lupe

Der Cost-Average-Effect tritt ein, wenn man über einen Zeitraum regelmäßig gleichbleibende Beträge in Dinge investiert, die im Preis schwanken, zum Beispiel Wertpapiere.
Dieser Effekt wird gerne ausgenutzt beim kauf von Fonds, da dort in der Regel die Kosten nur auf das Volumen anfallen, nicht auf die Anzahl der Käufe. Bei Aktien kann das Verfahren ebenfalls angewendet werden, wenn die Spesen im Vergleich zum Kaufpreis einen geringen Anteil ausmachen (gering heisst kleiner 0,8%).

Um den Effekt anschaulich darzustellen, habe ich mir 6 verschiedene theoretische Szenarien ausgedacht. Alle Szenarien orientieren sich an einem Durchschnittswert von etwa 100 EUR. Es werden dann jeweils 10.000 EUR an Kapital eingesetzt.

Szenario 1a: Der Wert fällt leicht, steigt dann wieder in etwa auf den Eingangspreis.
Szenario 1b: Der Wert steigt leicht, fällt dann wieder in etwa auf den Eingangspreis.
Szenario 2a: Der Preis wechselt zwischen zwei werten, der niedrige Wert zuerst.
Szenario 2b: Der Preis wechselt zwischen zwei werten, der hohe Wert zuerst.
Szenario 3a: Der Preis fällt kontinuierlich.
Szenario 3b: Der Preis steigt kontinuierlich.

Um das ganze anschaulich zu gestalten, wurden die Szenarien durch hohe Schwankungen gründlich übertrieben.

Jedes Szenario wird mit 2 Methoden durchgerechnet:
Methode 1) Eine Einmalanlage wird zum ersten Preis getätigt.
Methode 2) Das gleiche Kaptial, wie in Methode 1) wird in 12 gleich grosse Teile aufgeteilt und zu den jeweils 12 verschiedenen Wertstellungsterminen “investiert”.
Ich vergleiche dann Szenario 1a mit 1b, 2a mit 2b usw. und schaue dann, mit welcher Methode man das bessere Ergebnis erzielt hätte. Dazu wird im jeweils oberen Diagramm der Verlauf der 2 Szenarios dargestellt, in den jeweils unteren beiden Diagrammen wird dargestellt, wieviele Anteilsscheine die jeweilige Methode zu welchem Zeitpunkt erwirbt und wieviele Anteilsscheine in Summe erworben werden konnten.

Szenario 1a und 1b

Szenario 1a und 1b
Die Methoden im direkten Vergleich
Der Durchschnittspreis des Szenarios 1a liegt über den 100 EUR. Deswegen kauft Methode 1) hier sehr günstig ein, während Methode 2) auch von den teureren Kursen kauft. Hier gewinnt Methode 1) deutlich. Im analogen Szenario mit dem Durchschnittspreis unter 100 EUR gewinnt Methode 2), da sie die günstigen Kurse in der Mitte ausnutzen kann.

Szenario 2a und 2b

Szenario 2a und 2b
Die Methoden im direkten Vergleich
Hier ist der Durchschnitt beider Szenarien bei genau 100 EUR. Methode 1) gewinnt in Szenario 2a, da bei dem günstigen (=unterdurchschnittlichen) Kurs gekauft wird, während der Cost averaging Effect beim Szenario 2b gewinnt, weil Methode 1 dort zum teueren (überdurchnittlichen) Kurs einkauft.

Szenario 3a und 3b

Szenario 3a und 3b
Die Methoden im direkten Vergleich
Bei beiden Szenarien ist der Durchschnittspreis über den Zeitverlauf genau gleich. Methode 1 verliert bei dem Szenario mit den fallenden Kursen deutlich, da es zum teuersten Kurs gleich zu Beginn den Kauf tätigt. Bei Szenario 2b dagegen gewinnt die Methode 1 deutlich, da sie zum in diesem Verlauf günstigsten Kurs einkauft.

Fazit:
Das Cost-Average-Effect kann zu einem günstigeren Durchschnittskurs verhelfen. Hat man jedoch das ganze Geld auf einmal und weiß, dass ein Preis nicht weiter fallen wird (wer kann das schon genau sagen, aber sei’s drum), fährt man mit einer Einmalanlage am günstigsten.

Über Michael

Verheiratet, 2 Kinder. Aktueller Beruf: IT Consultant / Software Engineer
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